Anas platyrhynchos

Stockenten-Weibchen

Stockenten-Weibchen

Heute wage ich mich mal an ein für mich völlig neues Genre heran. Es gibt nichts zu meckern und kein sarkastisches Geschrei. Nein, heute soll es um einen uns allen bekannten Mitbewohner gehen und ich möchte für ihn bzw. für sie eine Lanze brechen. Nämlich für Anas platyrhynchos, uns allen bekannt als Stockente. Mein Herz gehört übrigens dem weiblichen Vertreter dieser Gattung. Denn obwohl sie mit ihrem braun-grauen Federkleid nicht zu den schillernden Persönlichkeiten unter den Vögeln gehört, ist sie doch sehr beachtenswert. Man muss sich nur dafür öffnen. :-)

Unnötig eigentlich, ein Bild von ihr zu zeigen, denn jeder kennt sie. Wo auch immer nur der kleinste Teich ist, sieht man Stockenten. Jedes Kind und jeder, der heute erwachsen ist und früher selbst Kind war, ist schon wild und voller Freude hinter ihr her gerannt. Ich denke Stockenten sind, nach den Tauben, die am meisten von Kleinkindern verfolgten wild lebenden Tiere in Europa. Sobald der kleine Mensch auch nur ein bisschen laufen kann, werden die schwimmhäutigen Entenfüße auf Trab gebracht. Bis es ihnen irgendwann zu bunt wird, und sie davon fliegen. Dann lacht das Kind aus vollem Halse und freut sich über was auch immer. Und wann immer ich eine Stockente sehe, fühle ich mich in meine Kindheit zurück versetzt. Viele Herbst-Nachmittage sind bis zum Sonnenuntergang dafür drauf gegangen, mit Oma Enten zu füttern. Leider …

Denn was früher leider noch nicht in den Köpfen der Menschen präsent war ist, dass es eine ganz schlechte Idee ist, sie zu füttern. Egal ob es Brot, Haferflocken oder Kürbiskerne sind – es ist Gift für die Tiere und das Wasser. Doch die Tatsache, dass sich die unscheinbaren Wasservögel vorzugsweise an von Menschen hoch frequentierten Seen aufhalten und dort alles fressen, was auf den Boden fällt, hat wohl viele zu der falschen Annahme verleitet, dass das arme Federvieh schrecklichen Hunger leidet. Und so verenden jedes Jahr tausende Stockenten wegen falscher Ernährung oder giftigem Wasser, verursacht durch verwesende Essensreste. Sehr schade und vollkommen unnötig. Sie können sehr gut für sich selber sorgen, diese robusten Wasservögel.

Doch ich will hier keine Moralpredigten halten. Vielmehr möchte ich Deine Sympathie für dieses „Allerweltstier“ gewinnen. Wem zaubert es kein Lächeln ins Gesicht, wenn eine Entenmama ihre Küken furchtlos und doch fürsorglich mitten über eine stark befahrene Straße führt? Sicher geht so etwas auch schon mal unglücklich aus. Doch in den meisten Fällen steht der Verkehr still. Und dann watschelt die kleine Familie wie selbstverständlich in aller Seelenruhe mitten über die Straße. Fiepend und piepend, tapsig und etwas unbeholfen folgen die Küken ihrer Mutter. Und niemand sitzt im Auto und ärgert sich über die Verspätung. Denn sie gehören zu uns. Mitten in der Großstadt, wo jeder sonst um jeden Meter Straße kämpft, haben Enten immer Vorfahrt.Stockenten-Küken

Und hast Du schon mal an einem See auf einer Bank gesessen und plötzlich war da diese eine neugierige Ente? Meistens sind es Weibchen, die sich vorsichtig nähern. Denn Du könntest ja etwas Essbares dabei haben. Naaa? Hast Du? Hast Du?? Und mit leisem, fast flüsterndem Quaken, watschelt sie in Deiner Nähe herum. Hat Dich dabei stets im Auge. Und wenn Du und die Umgebung ruhig genug seid, kommt sie Dir ganz nahe und Du kannst ihr über ihren orange-braunen Schnabel direkt in die haselnussbraunen Augen schauen. Dann sieht es Dich an, dieses kleine Entengesichtchen. Ganz friedlich und ohne Groll. Ich will nicht übertreiben, aber das kann schon fast zu einem magischen Moment ausarten. ;-)

Stockenten sind tolle, gesellige und nette und niedliche Tiere. Es gibt sie so massenhaft in Europa, dass wir sie gar nicht mehr wahr nehmen. Das ist schade. Denn es gibt kaum ein anderes mit uns so eng zusammenlebendes und in so großer Zahl auftretendes Wildtier das es schafft, so wenig aufzufallen. Vor allem negativ. Aus diesem Grund gebe ich Dir den Rat, wenigstens einmal den Versuch zu starten, dich von einer Stockente verzaubern zu lassen.

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