Hömma, ich mach‘ mir Sorgen.

Man soll ja eigentlich nicht in Sorge leben. Das sei nicht gut für die Gesundheit, heißt es. Außerdem sollen negative oder sorgenvolle Gedanken auch immer ebensolche Ereignisse anziehen. Aber ich kann mich einfach nicht dagegen wehren. Es gibt Dinge, die mir Sorgen bereiten.

Zum ersten Mal seit ich bewusst meine Umwelt wahrnehmen kann, lese ich seit ein paar Wochen in den großen Gazetten den Begriff des weißen Mannes in Bezug auf die sogenannte biodeutsche männliche Bevölkerung. Was, echt jetzt? Weißer Mann? Werden wir jetzt wieder nach Hautfarben unterteilt? Das finde ich schockierend. Wirklich! Habe ich etwas verpasst? Gibt es vielleicht Gruppierungen in Deutschland, die sich selbst „Die weißen Männer“ nennen? Vielleicht irgendwelche Rechten oder so? Es muss so sein, denn ich will mir wirklich nicht vorstellen, dass die Verwendung dieses Begriffs den Köpfen der Medienmacher entsprungen ist. Das wäre furchtbar. Ich habe keine Erklärung oder auch nur eine Ahnung worauf das hinaus laufen soll oder welchem Zweck eine solche Wortwahl dient. Aber ich finde es wirklich nicht gut und dass es einfach so und ganz plötzlich in den sogenannten Mainstream-Medien auftaucht, bereitet mir Sorge.

Dann sind da ja noch die Wahlen in den USA. Und einem Großteil der Bürger dieses Landes geht es wahrscheinlich genauso, wie einem Großteil der Bürger in der BRD. Was da angeboten wird, ist nicht wählbar. Das ist es aber nicht, was mir Sorgen macht. Vielmehr ist es wieder mal mein Bauchgefühl. Das sagt mir nämlich, dass Frau H. C. diese Wahl gewinnen wird. Und wenn ich diese Frau sehe, überfällt mich das nackte Grauen. Ich kenne ihr politisches Programm nicht und kenne mich in der US-Politik auch sonst nicht besonders gut aus. Aber ich weiß, wer ihren Wahlkampf finanziert und ich sehe den Wahnsinn in ihren Augen. Wahrscheinlich liegt ihre Hand noch auf der Bibel während die ersten Panzer schon Richtung „Feindesland“ rollen. Welches Land das dann auch immer sein wird. Ihr wird schon eins auf ihre To-Do-Liste geschrieben worden sein. Und die Tatsache, dass jetzt der deutsche Wehretat un-be-dingt nach oben geschraubt werden muss, passt irgendwie zu meinem Bauchgefühl und in dieses hässliche daraus entstehende Bild. Ich will keinen Krieg und ich möchte, dass es der amerikanischen Bevölkerung gut geht. Aber die Aussichten auf den nächsten Präsidenten bereiten mir Sorgen.

Und dieser Krieg der Regierung gegen Teile der eigenen Bevölkerung macht mir auch Sorgen. Ja, ich rede von der deutschen Bevölkerung und von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Wie ich es wagen kann, da von Krieg zu sprechen? Wenn ich das Wort Hatespeech schon höre, stehen mir die Haare zu Berge. Und immer dieses Gehetze gegen Ostdeutschland. Und immer dieses mit dem Finger auf andere Gezeige. Und immer dieses nach mehr Überwachung Geschreie. Und immer ist das deutsche Volk zu dumm, um den Politiker zu verstehen. Oder es sind alles Wutbürger. Oder Rechte. Man möchte aufstehen und schreien: „Wir sind denkende und fühlende Wesen und wir sind NICHT dumm!“ Was sich im Augenblick abspielt, diese Wut und Unzufriedenheit, die sich oft leider nur im Internet, in Kommentarspalten und Foren Bahn bricht, die kommt ja nicht von ungefähr. (Ich sage hier „leider nur im Internet“ weil Wut viel Energie erzeugt. Würde man diese Energie in vernünftige Bahnen lenken, könnte man sicher konstruktive Ideen hervor bringen.) Und es sind auch nicht alle Menschen jetzt plötzlich total angepisst weil hunderttausende von gut ausgebildeten Facharbeitern ins Land gekommen sind. Die Menschen sind angepisst weil sie sich verarscht fühlen. Und zwar nicht erst seit September 2015. Jahrzehnte lang hat der Deutsche die Klappe gehalten. Auch wenn nicht alles ohne Murren ablief, war es doch nie wirklich mehr als das – ein Murren und Knurren. Dosenpfand, Hartz IV (okay, da war der Protest schon etwas größer), Rundfunkzwangsgebühr, Grüner Punkt, Turbo-Abi, Solizuschlag, Energiewende, gebrochene Wahlversprechen, MwSt.-Erhöhung, Öko-Steuer, Bankenrettung und was weiß ich nicht noch alles. Und so ganz nebenbei, wird alles immer teurer, so dass der normale Arbeitnehmer trotz tariflicher Gehaltserhöhung weniger in der Tasche hat. Und das sind noch die guten Fälle. Ich kenne genügend kleine Unternehmen, die an gar keinen Tarifvertrag angeschlossen sind. Da werden teilweise Löhne gezahlt, die schon vor 15 Jahren kriminell niedrig gewesen wären. Doch all das hat das deutsche Volk über sich ergehen lassen. Weil es daran glaubte, dass es zum Besten für Land und Leute sei. „Dann müssen wir halt jetzt mal die Zähne zusammen beißen. Und danach wird es schon wieder bergauf gehen.“ Oder: „Wir leben ja schließlich in einer Solidargemeinschaft. Da stehen die Starken für die Schwachen ein.“ Und jetzt sehen einige Leute, dass sie so lange die Zähne zusammen gebissen haben, bis das Gebiss knirscht und bröckelt und für sie selber ist NICHTS besser geworden. Aber auch nicht für die, für die sie solidarisch die Zähne zusammen gebissen haben. Und es ist ja nur ein einziger Tropfen, der die Oberflächenspannung bricht und das Fass zum Überlaufen bringt. Der Tropfen war die sogenannte Asylkrise. Jetzt sagen sich viele Menschen eben: „So, jetzt reicht’s mir!“ Jetzt melden sich quer durch alle Bildungs- und Sozialschichten plötzlich Menschen zu Wort, die früher vielleicht lieber andere Dinge mit ihrer Freizeit angefangen haben. Und anstatt sich der Realität gewahr zu werden und entsprechend zu reagieren, drischt man mit Pauschalisierungen und sogar Beleidigungen auf diese Menschen ein, die sich Jahrzehnte lang alles haben gefallen lassen. Da sehe ich ein echtes Problem auf unsere Gesellschaft zukommen. Denn es geht nun mal nicht jeder auf die gleiche und vor allem nicht auf die best mögliche Art und Weise mit solchen Problemen um. Man kann natürlich erwarten, dass Probleme im Rahmen geltender Gesetzte gelöst werden. Doch unsere Regierung macht uns ja sogar noch vor, dass es auch ohne die Einhaltung gewisser Gesetze geht. Und an welche Gesetze man sich NICHT mehr hält, wenn man vor Wut kocht, kann sich wohl jeder selber ausmalen. Ich möchte dann, ehrlich gesagt, nicht dabei sein.

Wie kann ich das jetzt alles sinnvoll zusammen fassen? Hast Du schon mal einem Menschen gegenüber gestanden, der kurz davor ist, seine Selbstkontrolle zu verlieren? Egal, ob aus Angst oder Wut oder Panik. Es ist ein befremdlicher Anblick und macht einem selber auch ein klein wenig Angst. Und genau so fühle ich mich im Moment, wenn ich die Geschehnissse auf diesem Planeten zusammenfassend auf einem Bild betrachte. Es bahnt sich etwas an, dass den totalen Kontrollverlust zur Folge hat. Das zumindest sagt mein Bauchgefühl und es bereitet mir Sorgen.

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