Telefonkultur

Die Telefonkultur unserer Gesellschaft hat sich seit der Erfindung des Telefons deutlich geändert. Bei meiner Oma stand das Telefon mit Wählscheibe an einem festen Ort in der Wohnung. Ganz früher sogar noch mit Brokatüberzug. Das Telefon meiner Eltern hatte dann schon Tasten. Und ein ellenlanges Kabel, damit man jede Ecke in der Wohnung mit dem Telefon in der Hand erreichen konnte. So wusste man immer, wo sich das Telefon gerade befand. Man musste nur dem schwarzen Kabel quer durch die Wohnung nachlaufen. Ende der 1980er Jahre hatten wir dann unser erstes Funktelefon. Wenn man sich mehr als 5 Meter von der Basisstation entferne, musste man die Antenne heraus ziehen, sonst wurde die Verbindung schlecht. Das nächste Funktelefon war dann schon etwas besser. Es verfügte nur noch über eine graue Gummiantenne, ca. sieben oder acht Zentimeter lang. Mit der Einführung des DECT-Standards wurde die Funktelefonie immer sicherer und qualitativ besser.

Alle diese Telefone hatten jedoch etwas gemeinsam: zum Telefonieren musste man zuhause sein. Unterwegs hatte man nur die Möglichkeit, sich eine Telefonzelle zu suchen. Aber es gab noch eine Gemeinsamkeit. Nämlich die Sprachqualität. Störungen in der Leitung gab es selten. Es passierte schon mal, dass man plötzlich eine zweite Verbindung in der Leitung hatte. Dann konnte man das Telefonat zwischen zwei anderen Teilnehmern in der eigenen Leitung hören. Das war aber äußerst selten der Fall. Meistens bzw. fast immer war die Verbindung gut und die Sprachqualität super.

Dann kamen die Mobiltelefone. Zuerst über das C-Netz von der Deutschen Post. Da hatten nur die richtigen Angeber eins. Später, Anfang der 1990er kam aber dann der GSM-Standard mit dem D-Netz. Wer sich für diese „historischen“ Übertragungstechniken interessiert, kann sich das mal bei Wikipedia durchlesen. Auf jeden Fall ging ab da die Post beim mobilen Telefonieren so richtig ab. Plötzlich hatte jeder ein „Handy“. Der Wunsch nach der mobilen Erreichbarkeit war groß. Bevor die Massen sich mit der Mobilfunktechnologie anfreundeten, fanden kurz die Pager einen reißenden Absatz. Aber die konnten sich nicht lange halten. Denn irgendwann hatte einfach jeder ein Handy. Bald gingen viele sogar dazu über, sich gar keinen Festnetzanschluss mehr anzumelden, sondern das Handy auch zuhause zu nutzen. Und damit fing das Elend an.

Mal ganz davon abgesehen, wie sehr das mobile Telefonieren unsere Gesellschaft insgesamt verändert hat, hat es die Telefonkultur natürlich auch total verändert. Und irgendwann hat sich mal jemand gefragt, wie so ein Mobiltelefon eigentlich funktioniert bzw. auf welcher Frequenz es sendet und empfängt. Die ersten Kritiker wurden noch als Verschwörungstheoretiker beschimpft. Heute wird aber nur noch von wenigen Menschen bestritten, dass es ungesund sein kann, sich das Mobiltelefon beim Telefonieren an den Kopf zu halten. Und das ist wohl auch mit ein Grund für das Elend, welches heute vorherrscht.

Womit ich endlich beim eigentlichen Thema bin. Dieses unsägliche Telefonieren über den Lautsprecher des Telefons. Es ist furchtbar. Man hört sich selber sprechen, man hört furchtbare Nebengeräusche, die eigene Übertragung wird stumm geschaltet, wenn die Nebengeräusche zu laut werden (weil das Telefon ja dann denkt, derjenige würde sprechen). Dann fangen beide gleichzeitig an, zu sprechen, weil der eine denkt, der andere würde eine Sprechpause machen. Und überhaupt ist die Klangqualität grottenschlecht. Für jemanden wie mich, der täglich mehrere Stunden beruflich telefoniert, ist das an manchen Tagen eine echte Tortur. Wirklich! So kann man einfach nicht vernünftig kommunizieren. Mal ganz davon abgesehen, dass einige Menschen ja auch schon dazu übergegangen sind, in aller Öffentlichkeit über den Lautsprecher ihres Handys zu telefonieren. Da kann dann der ganze Bus das Gespräch mit verfolgen. Wie schön …

Warum mich das so aufregt? Weil die Kommunikation per Telefon an sich schon eine unnatürlich Art der Kommunikation ist. Es fehlen Gesten, Mimik und Körperhaltung. Fällt aber jetzt auch noch die klare Verständlichkeit weg, ist, zumindest bei mir, der Ofen aus. Es nervt einfach nur. Durch die Verzögerung fällt man sich ständig gegenseitig ins Wort. Dann hören beide auf zu sprechen, weil man den anderen ja nicht unterbrechen will. Dann fangen beiden wieder gleichzeitig an zu sprechen, weil man ja hört, dass der andere seinen Ansatz abgebrochen hat. Es ist einfach furchtbar. Daher plädiere ich an die Menschen: Hört auf, über Lautsprecher zu telefonieren. Hört bitte auf damit!

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