500 Jahre – und nichts hat sich geändert …

Auszug aus Thomas Müntzers Predigt auf dem Schlachtfeld bei Frankenhausen am 15.Mai 1525
„Die Feldpredigt“

(…)
Was seind aber die Fürsten?
Sie seind nichts dann Tyrannen, schinden die Leut, unser Schweiß und Blut vertön sie mit Hoffieren, mit unnützen Pracht, mit Huren und Buben. Es hat Gott geboten in Deuteronomio*, es soll der König nicht viel Pferd bei sich haben und einen großen Pracht führen; auch soll ein König das Gesatzbuch täglich in Händen haben.
Was tun aber unsere Fürsten?
Sie nehmen sich des Regiments nicht an, hören die armen Leute nicht, sprechen nicht Recht, halten die Straßen nicht rein, wehren nicht Mord und Raub, strafen kein Frevel und Mutwill, vertedingen nicht Witwen und Waisen, helfen nicht den Armen zu Recht, schaffen nicht, daß die Jugend recht erzogen würd zu Guten, fürdern nicht Gottes Dienst, so doch um solcher Ursach willen Gott Oberkeit eingesetzt hat, sonder verderben allein die Armen je mehr und mehr mit neuen Beschwerden, brauchen ihrs Macht nicht zu Erhaltung Friedens, sonder zu eignem Trutz, daß je einer seim Nachbauren stark genug sei, verderben Land und Leut mit unnötigen Kriegen, Rauben, Brennen, Mörden.
(…)

Übersetzung ins heutige Hochdeutsch

Aber was sind die Fürsten?
Sie sind nichts anderes als Tyrannen. Sie verschwenden die Früchte unserer harten Arbeit mit Hofieren, mit unnützer Pracht, mit Huren und Buben. Gott hat im Deuteronomium* geboten, dass der König nicht viele Pferde haben und keine große Pracht zur Schau stellen soll. Viel eher soll der das Gesetzbuch täglich in den Händen halten.
Was aber tun unsere Fürsten?
Sie nehmen ihre Regierungsverantwortung nicht ernst, hören den armen Leuten nicht zu, sprechen nicht Recht, halten die Straßen nicht sauber, beugen weder Raub noch Mord vor, bestrafen keine Gewalttaten oder mutwillig begangene Straftaten, beschützen nicht die Witwen und Waisen, verhelfen den Armen nicht zu Gerechtigkeit, schaffen es nicht, dass die Jugend gut erzogen (unterrichtet) wird, sie fördern nicht den Dienst für Gott, obwohl Gott sie doch genau dafür eingesetzt hat. Stattdessen machen sie für die Armen alles nur noch schlimmer, benutzen ihre Macht nicht zur Erhaltung des Friedens, sondern zur Erfüllung ihrer eigenen Interessen. Sie überziehen Land und Leute mit unnötigen Kriegen, Raub, Bränden und Morden.

* 5. Buch Mose

Es sind dazu keine weiteren Kommentare meinerseits notwendig, oder?

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