Elektromobilität und Maut für alle

Umweltbundesamt fordert Maut für alle Fahrzeuge

Erst einmal muss ich zugeben, dass mein begrenzter Horizont anscheinend nicht ausreicht, um die Aussagen in einen Kontext zu bringen.

Ich hole mal kurz Luft …

„Ich plädiere für eine Maut, die kilometerabhängig auf allen Straßen und für alle Kraftfahrzeuge erhoben wird“, sagte Behördenchefin Maria Krautzberger (SPD) der Welt.

Ja und wo ist dann der Vorteil/der Anreiz/die Förderung von/für Menschen, die sich ein Elektroauto zulegen? Verstehe ich nicht.

„Wir brauchen eine grundlegende Verkehrswende hin zur Elektromobilität“, mahnte die Sozialdemokratin.

Oha, ja klar. Was wir wirklich brauchen würden, wäre etwas weniger von dieser schwachsinningen Hau-Ruck-Politik. Ich hätte mir vorvorletztes Jahr schon ein Elektroauto gekauft wenn

  1. es nicht völlig überteuert wäre.
  2. es eine vernünftige Möglichkeit für Menschen in Mietwohnungen gäbe, so ein Ding zu laden.
  3. es eine Garantie der Fahrzeug-/Batteriehersteller gäbe, dass die seltenen Erden und das ganze Litiumgedöns umweltverträglich, fair und nicht auf Kosten der Menschen in den sogenannten Dritte-Welt-Ländern abgebaut würde.
  4. es eine Garantie der Fahrzeug-/Batteriehersteller gäbe, dass bei der Herstellung der Batterien KEINE umweltbelastenden Schadstoffe entstehen. Weder durch Transport bzw. Beschaffung der Materialien, noch durch den Herstellungsprozess an sich.

Dieses dumme Sich-Selbst-In-Die-Tasche-Gelüge der Politik ist für mich langsam nur noch sehr schwer zu ertragen. Da bleibe ich lieber bei meinem 20 Jahren alten Benziner! Der verbraucht im Sommer 7,5 und im Winter 8 Liter auf 100 Kilometer. Und die Rohstoffe, die für dieses Auto drauf gegangen sind, sind vor 20 Jahren drauf gegangen. Und die Schadstoffe, die bei der Produktion meines Autos ausgestoßen wurden, sind wahrscheinlich längst abgebaut. Aber wenn die Automobilbranche natürlich Deutschlands größter Arbeitgeber ist, dann soll ein Auto natürlich auch keine 20 Jahre gefahren werden. Denn irgendwann ist der Markt ja satt, ne? Wie mit allen Konsumgünthers (kein Tippfehler).

Aber jetzt mit aller Macht Millionen eAutos auf den Markt zu pumpen, die ja alle erst mal gebaut werden müssen, die ja alle erst mal Ressourcen verbrauchen, Schadstoffe entstehen lassen, DAS ist natürlich total umweltfreundlich. Wird das wieder so eine wahnsinnige Verschwendung von Ressourcen unseres Planeten wie bei der Abwrackprämie? Durch die Politik erzwungene Obsoleszenz?

„Ich möchte daran erinnern, daß es Deutschlands Ziel ist, bis 2050 die gesamten Treibhausgasemissionen um 95 Prozent zu reduzieren. Das schaffen wir nur, wenn wir im Verkehr auf nahezu null Emissionen kommen.“

Oder wenn wir nicht für jeden Scheiß mit dem Flugzeug irgendwo hin fliegen. Oder wenn wir die Dieselloks im Güterverkehr abschaffen. Oder wenn wir den kompletten Schiffsverkehr inkl. Kreuzfahrten einstellen. Oder wenn wir diesen unsinnigen Emmissionshandel abschaffen. Oder, oder, oder …

ABER … es sind natürlich NUR die Autos Schuld, klar. Und irgendwie wirken mir die Aussagen von der Dame nicht so ganz durchdacht. Denn einerseits redet sie von einer Maut für alle Fahrzeuge, dann aber von Elektroautos, dann aber von Treibhausgasen und dann wieder ganz allgemein vom Verkehr. Ich würde ja sagen, gut, dass die SPD im Umweltbundesamt demnächst nichts mehr zu sagen hat, aber wenn das mit Jamaika klappt, wird es ja NOCH schlimmer @ Bündnis90/Die Grünen.

Ach und übrigens:

Die Forderung nach einer umfassenden Maut schränke „nicht zwangsläufig unsere Mobilität ein“.

Unsere Mobilität. Wir ist denn „wir“ in dem Fall? Die hat doch gar keine Ahnung, wessen Mobilität das einschränken wird, und wessen nicht. Und kein Wort dazu, wie das überhaupt aussehen soll. Wenn die Pendler dann NOCH mehr zahlen müssen, dann sollte man sich die Frage stellen, ob man überhaupt noch arbeiten geht.

  1. KFZ-Steuer
  2. Mineralöl-Steuer
  3. Öko-Steuer
  4. Mehrwert-Steuer

Und dann noch oben drauf eine Maut? Am Arsch! Oder fällt das dann alles weg und wir zahlen NUR noch Maut?

Und wie soll das eigentlich gehen? So, wie sie sich das vorstellt, geht das doch nur mit vollständiger, elektronischer Überwachung. Da kommt dann wahrscheinlich von der Regierung so ein geiler Scheiß wie Toll-Collect ins Auto. Aber diesmal nicht mit Maut-Messstellen, sondern mit GPS. Und am Ende des Monats krisse dann ’ne Abrechnung vom … ja, von wem denn eigentlich? Von der Stadt? Vom Land? Vom Bund? Und ich seh das schon kommen. Klagen über Klagen weil der Kack vorne und hinten nicht funktioniert. Wie beim Blitzen. Niemand wird Maut zahlen, weil alle erst Mal Widerspruch gegen die Rechnung einlegen. Und das kostet den Bund dann Milliarden, weil man ja die KFZ-Steuer schon abgeschafft hat. Und warum hat man die KFZ-Steuer vorher schon abgeschafft? Weil der EuGH das nämlich sonst nicht erlaubt hätte. Wegen der Ungleichbehandlung in der EU. Kann ja nicht sein, dass die Holländer dann auf deutschen Autobahnen NUR Maut zahlen, und die Deutschen Maut UND KFZ-Steuer.

Willkommen in Blödmannshausen.

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