1,95583

Na, wer erinnert sich noch an diese Zahl? Hm? Genau. Das ist der Umrechnungskurs von der Währung „Deutsche Mark“ (Gott hab sie selig) in die Währung Euro und umgekehrt.

Ab dem 1. Januar 1999 war der Euro schon auf der ein oder anderen Gehaltsabrechnung zu sehen. Man konnte sich also schon mal in aller Ruhe auf den Schock vorbereiten, nur noch die „Hälfte“ des Gehaltes überwiesen zu bekommen. Ab dem 1 Januar 2002 war es dann soweit. Der Euro wurde als Bargeld eingeführt und löste die DMark endgültig ab. Im ganzen Land liefen die Taschenrechner heiß. Im ganzen Land? Nein, offensichtlich nicht. Es gab zwar einen offiziellen Umrechnungskurs aber daran hat sich kaum jemand gehalten. Die Einzigen, die sich erst mal daran hielten waren Vermieter, Versicherungen und andere Branchen, denen Betrug sofort hätte nachgewiesen werden können. Alle anderen rechneten einfach in Mondpreise um. Ein Beispiel?

In der ersten Januarwoche im Jahr 2002 ging ich tanken. Beim Weg zur Kasse fiel mein Blick auf eine Dose Cockpitspray, die im Regal stand. Oben auf dem Deckel klebte ein Preisetikett. Der Preis war in Euro ausgewiesen. Darunter klebte aber noch als alte Preisetikett. Na, was glaubt Ihr wohl? In DMark kostete das Cockpitspray 11,90 DM. In Euro kostete es dann 9,90 €. Es hätte aber nur 6,09 € kosten dürfen. 6,09 = 100%, 9,90 = 163%
Das Gleiche galt damals für die Gastronomie, den Einzelhandel und noch ein paar andere Branchen, wo keiner so genau auf die Preise guckt.

Das schlechte Gefühl und der „Teuro“

Kurz nach der endgültigen Einführung des Euro wurden Stimmen laut, dass alles viel teurer geworden wäre. Bundesregierung und Medien wurden aber nicht müde zu erzählen, dass das nicht der Fall wäre. Von morgens bis abends wurden dem Bürger Statistiken vor die Nase gehalten, die belegen sollten, dass gar nichts teurer geworden wäre. Es würde sich alles nur im Rahmen der ganz normalen Inflation bewegen. Der Bürger wusste, dass das nicht stimmt. Ähnlich wie heute bei der „Migrationskrise“. Menschen haben eben ein gutes Gespür dafür, wenn sie verarscht werden. Dem widmet der Wikipedia-Eintrag zum Euro sogar einen eigenen Absatz: Gefühlte Inflation

Schnell entwickelte sich in Deutschland eine Abneigung gegen die neue Währung. Keiner mochte den Euro. Alle wollten die DMark zurück. Es gründeten sich Bürgerbewegungen und Parteien, die bis heute die Abschaffung des Euro fordern. Denn wie ein Wirtschaftsraum auseinander brechen kann, in dem man ihm eine gemeinsame Währung bei unterschiedlicher Wirtschaftsleistung aufzwingt, kann man sehr schön seit der Griechenlandkrise beobachten.

Die Mehrheit der Deutschen war zu der Zeit gegen den Euro. Also versuchte man, dem Euro etwas mehr Glanz zu verleihen. Das reichte sogar bis nach Hollywood, denn plötzlich wurde in großen Blockbustern mit Euro bezahlt. Auch in Serien sah man häufiger mal einen Euro-Schein. Beispiele?

Film: 2012
Als die Tickets für die Archen verkauft werden, staunt ein saudischer Scheich nicht schlecht, als man ihm die Zahl 1.000.000.000 zeigt. Er fragt ungläubig: „Eine Milliarde Dollar?“ Doch der Verkäufer antwortet trocken: „Ich fürchte, das sind Euro.“

Serie: Stargate Atlantis – Staffel 4, Folge 17 (77) „Auf der Mittelstation“
Auf Atlantis findet ein Kampf zwischen Ronon Dex und Teal’c statt. Die Expeditionsteilnehmer stehen im Kreis drumrum und schließen Wetten ab. In dieser Szene habe ich jede Menge Euro-Scheine den Besitzer wechseln sehen.

Es war also zu der Zeit Gang und Gäbe, den Euro als cool, als international anerkannt aber vor allem dem Dollar überlegen darzustellen. Aber auch die „krummen“ Geschäfte wurden in Film und Fernsehen immer häufiger in Euro abgewickelt. Drogen, Waffen, Menschen … alles wurde in der europäischen Superwährung gehandelt. Warum wohl?

Aber was hat Deutschland falsch gemacht, dass alle den Euro so hassten (und auch heute noch hassen)? Ich habe lange im Internet gesucht, aber keinen Beleg für folgende Behauptung gefunden. Während andere Länder bei der Einführung des Euro Preisbremsen gesetzlich festlegten, hat Deutschland darauf verzichtet und dem Irrsinn freien Lauf gelassen. Angeblich soll es Länder gegeben haben, die für ein paar Monate Änderungen an Preisen (auch Inflationsbedingt) verboten haben. Alles musste zum genauen Kurs umgerechnet werden und musste diesen Preis für eine bestimmte Zeitspanne halten. Während in Deutschland ein Preisdschungel entstand und jeder den Überblick verlor. Aber wie gesagt, ich habe keinen Beleg dafür gefunden.

Auch heute noch kann man die Deutsche Mark bei der Zentralbank in Euro umtauschen. Wikipedia sagt:

„Trotz der einfachen und kostenlosen Umtauschmechanismen waren im Juli 2016 noch immer DM-Münzen und -Scheine im Wert von umgerechnet 12,76 Milliarden Euro im Umlauf. Dabei handelt es sich nach Ansicht der Deutschen Bundesbank jedoch größtenteils um verlorengegangenes oder zerstörtes Geld.“

Wobei man hier beachten sollte, dass immer noch zum Wechselkurs von 1,95583 umgetauscht wird. Meiner Ansicht nach, wäre die Deutsche Mark aber heute weit mehr Wert als das. Und ich habe immer noch ein paar DM-Münzen hier rumfliegen. Die werden auch für immer in meinem Besitz bleiben, denn sie haben für mich einen sentimentalen Wert.

Zu guter Letzt kann ich sagen, dass ich den Euro für ein total gescheitertes Projekt halte. Denn den positiven Effekt, dass man im Wirtschaftsraum Europa eine gemeinsame Währung nutzen kann, hat er durch die ganzen vielen Probleme verbrannt, die durch ihn erst entstanden sind. Das Rad jetzt zurück zu drehen, ist wahrscheinlich nicht mehr möglich. Jetzt klebt die Währung an uns, wie ein zertretener Kaugummi auf dem Asphalt.
Aber an kalten Wintertagen, wenn der Regen gegen die Fenster peitscht und der Himmel voller grauer Wolken hängt, wenn drinnen Kerzen brennen und ein heißer Tee in der Tasse die Hände wärmt, dann träume ich manchmal von der Deutschen Mark und blicke wehmütig in die Ferne. ;-)

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