In den letzten Jahren hat es sich in Deutschland eingebürgert, den Kassenbon liegen zu lassen. Für jeden Einkauf, den man eh nicht umtauschen kann bzw. will (Lebensmittel), oder der einen zu geringen Wert hat, um dafür „nochmal in die Stadt zu fahren“, wird der Kassenbon meist liegen gelassen. Irgendwann haben die meisten Einzelhändler das erkannt und ihre Kassen umgestellt, sodass der Kassenbon nur noch auf Aufforderung gedruckt wird.

Zwei Fragen wurden seither an allen Kassen dieses Landes gestellt: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Und: „Brauchen Sie einen Beleg?“ Wessen Kasse bauartbedingt trotzdem automatisch Bons ausdruckt, der hat unter dem Transportband einen großen Mülleimer.

Der Einzelhandel und die Kunden waren sich jahrelang einig. Papier sparen ist eine Win-Win-Win-Situation. Zumal, was nur die wenigsten Verbraucher wissen, darf das Thermopapier auf keinen Fall ins Altpapier. Es muss mit dem Restmüll verbrannt werden. Im Papierrecycling würde es mit Wasser in Kontakt kommen und das BPA freisetzen, welches es enthält. Somit gerät es in unseren Trinkwasserkreislauf. Normalerweise sollte man es noch nicht mal mit den nackten Händen anfassen. Zum Glück hat die EU hier mal etwas richtig gemacht und die Verwendung von BPA in Thermopapier stark eingeschränkt (siehe Wikipedia-Artikel zu Thermopapier).

Aber jetzt mal zu dem, was für mich an dieser neuen Bon-Pflicht der größte Irrsinn ist: Bei meiner nächsten Steuererklärung Anfang 2021 werde ich eine Nebentätigkeit für die Finanzbehörden geltend machen müssen.

Die Bonpflicht wurde unter dem Vorwand der Schwarzgeldeindämmung bzw. Vermeidug von Steuerhinterziehung eingeführt. Damit Artikel nicht von Hand zu Hand verkauft werden und im Kassenbuch gar nicht auftauchen, will der Gesetzgeber den Unternehmer durch die Bonpflicht zwingen, den Verkaufsbetrag in seine Kasse einzutippen. Aber wer kontrolliert das? Na Du! Denn wenn Du etwas kaufst kontrollierst DU den Einzelhändler, ob er Dir einen Kassenbon in die Hand drückt oder nicht. Die Steuerbehörden können das nicht kontrollieren. Also überlässt der Staat es dem Konsumenten, den Einzelhändler zu kontrollieren. Denn durch die Bonpflicht fühlt sich der Mitarbeiter an der Kasse gezwungen, Dir den Kassenbon in die Hand zu drücken. Du könntest Dich ja beschweren, wenn es nicht der Fall wäre.

Ich finde das eine Frechheit. Von dem ganzen Papiersondermüll mal abgesehen. Denn diese Müllberge, die jetzt entstehen, sind ja noch die Kirsche auf der Sahne des Irrsinns.

Eine Pflicht für elektronische Kassen reicht vollkommen aus. Die können ja dann gerne vom Finanzamt mittels elektronischem Kassenbuch kontrolliert werden. Aber ich sehe nicht ein, meine Macht als Kunde dazu zu nutzen, dem Verkäufer ein schlechtes Gewissen zu machen, dass er mir auch ja den Kassenbon in die Hand drückt und dadurch indirekt für das Finanzamt Steuern einzutreiben.

Und wer jetzt glaubt, dass viele kleine Betriebe keine elektronischen Registrierkassen haben: falsch gedacht. Vor einigen Jahren habe ich ein Haushaltsbuch geführt und habe mir wirklich für jedes Brötchen, jede Tüte Gemischtes und jede Flasche Wasser einen Kassenbon geben lassen. Egal wo ich war, ich habe überall meinen Kassenbon bekommen. Man muss nur danach fragen. Jetzt führe ich kein Haushaltsbuch mehr und daher werde ich auch in Zukunft jeden Kassenbon da liegen lassen, wo er ausgedruckt wurde.

Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass diese Bonpflicht wieder nur herausgeschmissene Steuergelder sind, welche durch sinnlose Gesetzesänderungen jede Menge Staatsbedienstete beschäftigt haben und beschäftigen werden. So viele Steuergelder können wir dadurch gar nicht zusätzlich einnehmen, was uns dieser Schwachsinn jetzt wieder gekostet hat (Mutmaßung).